Die Marquesas Inseln – Vergessene Inseln der Südsee

Marquesas Inseln in der Südsee
Inseln in der Südsee lassen uns meist an Robinson denken, zumindest an Strand und Palmen (Robinson Crusoe Insel. Dieses Südseeklischee bedienen die Marquesas-Inseln allerdings nicht. Blaue Lagunen und weiße Palmenstrände gibt es auf ihnen nicht.

Die Marquesas-Inseln liegen mitten im Pazifik, 700 bis 1000 Kilometer südlich des Äquators und 1600 Kilometer nordöstlich von Tahiti. Zu den Marquesas gehören 14 größere Inseln dazu kommen zahlreiche kleinere Inseln. Die gesamte Landfläche dieser Inselgruppe beträgt 1274 Quadratkilometer. 2012 lebten auf den Marquesas-Inseln 9264 Menschen. Geographisch gehört die Inselgruppe zu den ostpolynesischen Inseln. Politisch zu Französisch-Polynesien – ebenso wie Tahiti.

Name der Marquesas-Inseln

Entdecker der Marquesas Inseln, Alvaro de Mendaña de NeyraDer französische Name der Marquesas Inseln lautet Archipel des Marquises. Der marquesanische Name ist Te Fenua Enatal bzw. Te Henua'enana (übersetzt: Die Insel der Männer). Benannt wurde die Inselgruppe vom spanischen Entdecker Alvaro de Mendaña de Neyra Ende des 16. Jahrhunderts. Der Spanier benannt die Inseln nach dem Marques de Mendoza, dem damaligen Vizekönig von Peru. Der vollständige Name der Inseln lautete: Las Islas Marquesas Don García Hurtado de Mendoza y Canete.

Geographie und Entstehung der Marquesas

Die Inseln sind die Gipfel einer aus der Tiefsee aufragenden Gebirgskette. Dieses ist vulkanischen Ursprungs. Die nordwestlichen Inseln sind die ältesten Inseln der Marquesas, so hat Hatutu ein Alter von über vier Millionen Jahre während die Insel Fatu Hiva im Südosten der Inselgruppe nur etwas mehr als eine Millionen Jahre alt ist.

Die beiden höchsten Gipfel der Inselgruppe sind der Mont Oave mit 1232 Metern auf der Insel Ua Pou und der Mont Tekao auf der Insel Nuku Hiva (1224 Metern).

Die größeren Inseln der Marquesa Gruppe:

Die Marquesas werden geografisch in eine Nord- und eine Südgruppe aufgeteilt. Die wichtigsten Inseln sind:
Nordinseln (Washington-Inseln, Islas Revolució):

Inselname / alter NameQuadratkilometerInsel Bewohner
Nuku Hiva (alte Namen: Federal, Baux, Henry Martin, Adams, Madison)3392.966
Ua Pou (alte Namen: Adams, Marchand, Trevenen)1052.173
Ua Huka (alte Namen: Washington, Riou)83,4621
Eiao (alter Name: Fremantle, Knox, Masse, Robert)43,8- *1)
Hatutu (alte Namen: Chanal, Hancock, Langdon)6,4- *1
Motu Iti (alte Namen: Deux-Frères, Hergest’s Rock)0,3- *1
Motu One (alte Namen: Sable)0,03- 1
Südinseln (Islas de Mendaña, Mendaña-Inseln)
Hiva Oa (alte Namen: Dominica)3872.190
Tahuata (alte Namen: Santa Cristina)61703
Fatu Hiva (alte Namen: Magdalena)84611
Fatu Huku (alte Namen: Hood)1,3- *2
Mohotane (Moho Tani, alte Namen: Motane, San Pedro)15- *2
*1 gehört zur Gemeinde Nuku Hiva
*2 gehört zur Gemeinde Hiva Oa
Die Hauptstadt der Marquesas Inseln, Taiohae, befindet sich auf Nuku Hiva.
Die alte Hauptstadt der Inselgruppe war Atuona auf Hiva Oa, einer der Südinseln.

Südsee Ambiente sucht man vergebens

Traumstrände wie man sie mit der Südsee in Verbindung bringt findet man auf den Marquesas nicht. Es fehlt ein Küstenstreifen oder eine Küstenebene. Die einzigen ebenen Flächen der Marquesas liegen an den Mündungen der Täler. In der Geschichte der Inseln waren diese wenigen ebenen Flächen dann auch meist besiedelt oder wurden zur Landwirtschaft genutzt. Das Innere der großen Inseln ist eher gebirgig, stark zerklüftet und hat tief eingeschnittene Täler. Flüsse ergießen sich in durchaus spektakulären Wasserfällen. Die Insel Luv kann zu dem mit einen nahezu undurchdringlichen Regenwald aufwarten.

Klima auf den Marquesas-Inseln

Das Klima ist tropisch heiß mit ergiebigen Regenfällen und hoher Luftfeuchtigkeit, die Temperatur beträgt im Jahresmittel 28 °C. Die Nächte, insbesondere in den Monaten Mai bis Oktober, können jedoch gelegentlich unangenehm kühl werden.

Geschichte der Marquesas Inseln

Wann genau die Marquesas Inseln erstmals besiedelt wurden ist wohl strittig. Es gibt Datierungen einer ersten Besiedlung der Inseln für die Zeit von 100 v. Chr. bis 150 n. Chr. Aber auch eine Datierung der Erstbesiedlung für die Zeit nach 300 n. Chr. Die ersten Siedler kamen wohl vermutlich von Samoa oder Tonga aus dem Westen. Von den Marquesa Inseln folgten dann wohl Besiedlungen in Richtung Hawaii, Neuseeland, den Gesellschaftsinseln und vermutlich auch der Osterinseln.

Entdeckung der Marquesas Inseln

Im Jahre 1595 war der Spanier Alvaro de Mendaña de Neyra mit vier Schiffen auf dem Weg von Peru zu den Salomonen, Ziel war ein spanischer Stützpunkt. Bei dieser Fahrt wurde zunächst die Insel Tahuata gesichtet, Alvaro de Mendaña de Neyra gab ihr den Namen des damaligen Vizekönigs von Peru, dem Marques de Mendoza. Am 21. Juli 1595 landeten die Spanier dann auf Fatu Hiva. Zunächst kam es zu freundlicher Kontaktaufnahme und dem Austausch von Geschenken. Als die Inselbewohner einige kleinere Diebstähle begingen kommt es zu einem Gefecht bei den acht der Inselbewohner getötet werden. Die Spanier segeln weiter zur Insel Hiva Oa. Auch dort kommt es zu Konflikten. Der Plan der Spanier die Insel zu erobern und zu besiedeln scheitert schließlich am heftigen Widerstand der Insulaner. Nach dieser ersten Entdeckung der Marquesas Inseln gerät die Inselgruppe dann in Vergessenheit. Es dauert fast zweihundert Jahre ehe sie von James Cook wiederentdeckt werden. Während seiner zweiten Südseeexpedition hält sich James Cook 1774 mehrere Tage auf den Marquesas auf.

Mitte des 19. Jahrhunderts kommt die Inselgruppe in französischen Besitz. Damit beginnt auch die Missionierung, aus den ehemaligem sexuell eher freizügigen und kannibalischen Inselvolk werden im Laufe der Zeit strenggläubige Christen.

Tätowierter Bewohner der Marquesas-InselnBesonders gut verlief der Kontakt zu den Europäern bzw. Kolonisatoren für die einheimische Bevölkerung der Marquesas allerdings nicht. Es gibt Schätzungen, dass die fruchtbare Natur der Inselgruppen durchaus in der Lage war, 35.000 Einwohner zu ernähren. Verlässliche Zahlen für die Bevölkerungszahl auf den Inseln zur Zeit ihrer Entdeckung bzw. Wiederentdeckung gibt es nicht, allerdings gibt es einigermaßen zuverlässige Zahlen, die belegen, wie dramatisch der Bevölkerungsrückgang auf den Inseln nach dem Kontakt mit den Europäern verlief: Von 20.200 Einwohnern im Jahre 1842 schwand die Zahl der Einwohner auf 3000 bis ins Jahr 1911. 1897 wurden auf den Marquesas 4279 Einwohner gezählt, es wird geschätzt, dass neben den europäischen Zuwanderern noch 3800 marquesanische Ureinwohner darunter waren.
(Bild: Tattooed Native of the Marquesas Island aus der Zeitschrift Popular Science Popular Science

Die Marquesas heute

Politisch gehören die Marquesas heute zum französischen Überseeland (Pays d'outre-mer, POM) Französisch-Polynesien und sind damit der EU angegliedert. Sie werden durch eine Unterabteilung (Subdivision administrative des Îles Marquises) des Hochkommissariats von Französisch-Polynesien (Haut-commissariat de la République en Polynésie française) mit Sitz in Papeete verwaltet. Heute leben auf den Inseln 9835 Einwohner, überwiegend katholischen Glaubens. Größere Städte gibt es auf den Inseln nicht, die Menschen siedeln in kleineren Dörfern. Der größte Ort der Marquesas ist Taiohae (auf Nuku Hiva) mit 2132 Einwohnern.

Seit einigen Jahren gibt es Unabhängigkeitsbestrebungen. Die Marquesas fühlen sich von der Zentralverwaltung Französisch-Polynesiens in Papeete (auf Tahiti) nicht ausreichend vertreten und streben eine unmittelbare Anbindung an Frankreich an.

Bevölkerung

Nach der Volkszählung von 2007 gab es über die damals 8632 Einwohner der Marquesas Insel eine Statistik ihrer Herkunft: 70.5 Prozent der Einwohner waren auf den Marquesa-Inseln geboren worden, 20,9 Prozent stammten aus Tahiti, 4,5 Prozent aus Frankreich selbst und 3 Prozent aus Französisch-Polynesien (außer Tahiti bzw. den Marquesa-Inseln selbst). 0,6 Prozent der Einwohner stammten aus gänzlich anderen fremden Ländern und 0,5 Prozent aus anderen französischen Überseegebieten.

Fernsehen und Internet

Fernsehen gibt es auf den Inseln bereits seit den 1980er Jahren, Internet erst seit etwa acht Jahren. Alle drei Wochen kommt ein Frachtschiff aus Tahiti und beliefert die Marquesas.

Tourismus auf den Marquesas

Ein paar Tausend Touristen sind es pro Jahr, die auf den Marquesas ihren Urlaub verbringen. Allerdings ist die Inselgruppe in der Südsee kaum touristisch erschlossen, es gibt gerade einmal zwei Hotels.

Sprache auf den Marquesa-Inseln

Die Amtssprache ist Französisch. 5500 Bewohner der Inselgruppe sprechen zu dem noch die indigene Sprache Marquesanisch. Der Gebrauch der einheimischen Sprache war wohl bis vor dreißig Jahren noch verboten. Bis dahin war es nicht nur verboten die alte Sprache zu sprechen sondern sich wie die Vorfahren den ganzen Körper zu tätowieren und alte Tänze und Rituale zu pflegen.

Besucher auf den Marquesas Inseln

Auf die Inseln in der Südsee zog es auch eine Reihe Besucher aus Übersee. Hier eine kleine Auflistung der Bekanntesten von ihnen:

Thor Heyerdahl

Der norwegische Anthropologe und Abenteurer Thor Heyerdahl, der als Praktiker der experimentellen Archäologie gilt, verbrachte von 1937 bis 1938 ein Jahr mit seiner ersten Frau Liv auf Fatu Hiva, eine der größeren Insel der Marquesa-Gruppe. Auf Fatu Hiva lebten Thor und Liv Heyerdahl abgeschieden von der Zivilisation. Im Mittelpunkt des Aufenthalts stand für Thor Heyerdall zunächst zoologische und dann zunehmend ethnologische und archäologische Untersuchungen. Auf Fatu Hiva stieß der Norweger zudem auf steinerne Statuen, die Ähnlichkeiten mit Statuen haben, die in Südamerika gefunden wurden. Ein alter Einheimischer erzählten dem abenteuerlustigen Norweger zudem von der mythischen Herkunft seines Volkes aus dem Osten. Heyerdahl wurde hiervon zu seiner Theorie einer Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus motiviert.

Herman Melville

Der US-amerikanische Schriftsteller Herman Melville, bekannt durch seinen Roman Moby Dick, kam 1842 für etwa vier Wochen auf die Marquesa-Insel Nukuhiva. 1846 schrieb Melville dann seinen Roman Typee (deutsch Taipi), in dem er seine Erlebnisse auf der Insel Nuku Hiva einfließen ließ. Inwiefern der Roman Tatsachen berichtet, ist wohl heute umstritten. Allerdings ist die Erzählung Typee eine deutliche Kritik an der Kolonisierungspolitik europäischer Mächte und der christlichen Missionierung im Pazifikraum anzumerken.

Karl von den Steinen

Karl von den Steinen - Abbild eines tätowierten MarquesanerDer deutsche Mediziner, Ethnologe, Forschungsreisende Karl von Steinen (1855-1929) besuchte 1897/1898 die Marquesas. Karl von Steinen reiste im Auftrag des Berliner Völkerkundemuseums, er sollte eine vollständige Sammlung u.a. an Kulturgegenständen anlegen. Zum Zeitpunkt der Reise von Karl von Steinen war es der einheimischen Bevölkerung der Marquesas Inseln durch die französische Kolonialmacht bereits untersagt sich zu tätowieren oder religiöse Zeremonien zu pflegen. Karl von Steinen erfasste damals bei älteren Einheimischen noch Motive der Körperbemalung. Die Tätowierungen reichten meist über den gesamten Körper. Außerdem erfragte der Forscher die Bedeutung der verschiedenen Motive und dank der Gespräche gelang es ihm auch Aufzeichnungen über die Legenden, Rituale und Mythen der Urbevölkerung anzulegen. Nach seiner Reise in die Südsee erarbeitete Karl von Steinen zwanzig Jahre an der Fertigstellung seines dreibändigen Werkes Die Marquesaner und ihre Kunst. Das Werk erschien 1928.
Nach der Neuentdeckung der Tätowierkunst dienten die Aufzeichnungen Karl von den Steinens als Vorlagen. Insbesondere Band I, der sich mit der Tatauierung befasste.

Paul Gauguin

Paul Gauguin - Marquesan Man - The Sorcerer of Hiva OvaDer französische Maler Paul Gauguin (1848-1903) siedelte 1901 von Tahiti nach Atuona um, dem Hauptort der Marquesas-Insel Hiva Oa. Bislang hatte der Künstler auf Tahiti, etwa 1400 Kilometer entfernt ebenfalls in einer französischen Kolonie gewohnt und gearbeitet. Bevor Paul Gauguin auf die Insel Tahiti kam, hatte er eine stark romantisierte Vorstellung vom Leben in der Südsee. Auf Tahiti, einer französischen Kolonie, wurde er desillusioniert. Die Insel war Teil des französischen Kolonialreiches, die indigene Bevölkerung hatte nur wenig Rechte. Auf den Marquesas setzte sich Gauguin erneut für die Rechte und Interessen der einheimischen Bevölkerung ein, er griff auch die katholische Kirche scharf an. Mit seinem provozierendem und verletztendem Verhalten kam er in Konflikt mit der Obrigkeit und wurde auch wegen Verleumdung zu einer Haft- und einer Geldstrafe verurteilt. Mittlerweile war Paul Gauguin aber gesundheitlich angegriffen und bettlägrig. Er starb schließlich im alter von 54 Jahren am 8. Mai 1903 und wurde auf Hiva Oa beigesetzt.
Das Bild The Sorcerer of Hiva Oa (Marquesan Man in the Red Cape) wurde 1902 von Paul Gauguin fertiggestellt. Das Originalbild hängt heute in einem Museum in Liège, Belgien.

Jacques Brel

Der belgische Chansonnier und Schauspieler Jacques Romain Georges Brel (1929-1978) verbrachte gute zwei Jahre auf der Marquesa-Insel Hiva Oa. Vor seinem Tod kehrete er nach Frankreich zu einer Chemotherapie zurück, 1978 starb er, seine Leiche wurde nach Hiva Oa auf die Marquesa-Inselgruppe überführt und der Jacques Brel unweit des Grabes Gauguins beigesetzt. Jacques Brel widmete seiner Wahlheimat auch noch ein Lied, Les Maruises.

Ebenfalls auf den Inseln war Robert Louis Stevenson (1888, die Impressionen flossen in sein Buch In der Südsee ein).

Marquesas-Inseln im TV als Dokumentation:

Die Marquesas -Vergessene Inseln der Südsee
Dokumentation von Stephan Düfel, Deutschland 2013, Dauer 45 Minuten.

Flagge der Marquesas-Inseln

Flagge der Marquesas-Inseln

Die dreifarbige inoffizielle Flagge der Marquesasinseln wird mit und ohne dem einheimischen Tiki-Symbol gehisst. Tiki bedeutet ursprünglich so viel wie Mann, Mensch oder auch erster Mensch. Heute werden als Tiki zumeist aus Holz geschnitzte, aber zum Teil auch in STein gehauene Ahnenfiguren bezeichnet. Das Tiki auf der Flagge der Marquesas Inseln befindet sich im linken, weißen Dreieck. Die Flagge ist dreifarbig: Weiß, Rot und Gelb.


 

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