Rungholt

Rungholt wird auch gerne als Atlantis der Nordsee bezeichnet. Die Insel wurde im 13. Jahrhundert Opfer einer katastrophalen Sturmflut und ging unter.

Anders als Atlantis hat Rungholt allerdings nachweislich existiert, wenn auch die Quellenlage zu der untergegangenen Insel dünn ist.

Geschichte von Rungholt

Wissenschaftler haben die letzten Stunden Rungholts rekonstruiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass das Atlantis der Nordsee wohl in Folge einer katastrophalen Sturmflut vom 16. auf den 17. Januar 1362 (Zweite Marcellusflut) untergegangen ist. Die Sturmflut überspülte die vom Salztorfabbau tiefergelegte Landfläche vollkommen.

Man geht davon aus, dass im 14. Jahrhundert, vor dem Untergang der Insel, etwa 2000 Menschen auf Rungholt gelebt haben. Es gibt erhaltene Dokumente aus Dänemark, die überregionale Handelsbeziehungen zwischen Rungholt und Dänemark sowie Hamburg und Bremen belegen.

Lage von Rungholt

Gelegen hat Rungholt vor dem Untergang im nordfriesischen Wattenmeer südöstlich der Insel Pellworm. In direkter Nachbarschaft zu Rungholt lag zudem der ebenfalls versunkene Ort Niedam. Nach der Flut wurden einige Teile des ehemaligen Rungholt-Gebietes erneut besiedelt, gingen aber in der Sturmflut von 1634 unter.

Entdeckung von Rungholt

Lange Zeit galt Rungholt nur als eine Legende (Atlantis der Nordsee) aus versunkenen Zeiten. Kein materieller Beleg aus der Zeit des Ortes vor 1362 wies auf die Existenz Rungholts hin. Das änderte sich erst, als die Gezeiten zwischen 1921 und 1938 im Watt nördlich von Südfall Überreste von Warften, Bauten und Brunnen frei spülten. Die Befunde wurden systematisch erfasst und erforscht und konnten auch Angaben auf alten Karten bestätigen.

Obwohl Rungholt damals für eine erfundene Stadt gehalten wurde, wurden auch in den Jahrhunderten vor der Identifizierung diverse Beobachtungen von Siedlungsspuren überliefert. Einen der ersten Hinweise liefert eine Schrift von Matthias Boetius (gestorben 1624), der von häufigen Funden von Wegen, Gräben und metallenen Kesseln im Wattgebiet schreibt.

Legenden und Geschichten um Rungholt

Als untergegangene Insel war Rungholt auch Bestandteil vieler Legenden. So erzählte man sich Wunderdinge über den Reichtum, die Größe aber auch die Gottlosigkeit (aus irgendeinem Grund muss sie ja im Meer untergegangen sein) von Rungholt.

Legende über den Untergang von Rungholt

Erhalten ist eine Legende in ihrer ältesten Fassung von Anton Heimreich aus dem Jahre 1666, die sich mit dem Untergang von Rungholt befasst. In dieser Legende steht die Gottlosigkeit der Bewohner im Mittelpunkt.

Eines Abends hätten demnach mehrere Bauern in einer Kneipe Rungholts zusammen gesessen und getrunken. Dabei hätten sie den Scherz ersonnen, das Schwein des Wirts betrunken zu machen und dann den Pfarrer zu rufen, damit er dem Schwein die letzte Ölung geben solle. Als der Pfarrer kam und das Schwein erkannte, weigerte er sich natürlich, ihm den letzten Segen zu geben, worauf die Bauern ihm Prügel androhen wollten. Der Pfarrer aber konnte heimlich entkommen, während sich die Bauern besprachen, was sie mit ihm tun wollten.

Zwei der Bauern aber konnten den Pfarrer verfolgen und ihn auf der Straße abfangen. Der Pfarrer erkannte sie nicht, und so erzählte er ihnen auf ihre Frage hin, welche Schmach in der Schänke ihm und dem Heiligen Sakrament (= den Hostien) hatte angetan werden sollen. Daraufhin fragten die beiden Bauern, ob er denn die Hostien bei sich hätte, und als der Pfarrer bejahte, baten sie ihn um die Büchse mit den Hostien, die der Pfarrer ihnen auch guten Glaubens gab. Die Bauern aber schütteten Bier in die Büchse, lachten und sagten dazu: Wenn diese Hostien der Leib Jesu sind, dann säuft er jetzt auch mit uns!. Danach hätten sie den Pfarrer ziehen lassen.

Der Pfarrer begab sich daraufhin sofort in die nahe Kirche und betete, dass dieser Frevel an ihm und Gott gerächt würde. In derselben Nacht wurde er daraufhin im Traum gewarnt, dass er sofort gehen solle, denn Gott wolle Land und Leute verderben. Der Pfarrer verließ sofort das Bett und machte sich auf den Weg. Er war kaum in Sicherheit, als die Sturmflut kam. Nur er und zwei Mädchen, die sich auf einer entfernten Kirchweih befunden hätten, seien die einzigen Rungholter Überlebenden gewesen.


Heute wird noch gerne erzählt, dass, aber nur wenn das Wetter und damit auch die See ruhig ist, die Glocken von Rungholt unter der Wasseroberfläche zu hören sei. Und alle sieben Jahre tauche Rungholt in der Johannisnacht aus der Erde unversehrt wieder auf.


 

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